Psychogeographie beim Zivilgericht

Die Psychogeographie ist eine interessante Sache. Sie beruht auf der Annahme, dass sich die räumlichen Beziehungen zwischen Menschen und deren räumliche Orientierung zueinander auf ihren Kommunikationsprozeß auswirkt. Bekannteste Beispiele sind die Sitzordnung im Kreis oder im Halbkreis.

 

Die kreisförmige Anordnung führt dazu, dass sich die Gruppenmitglieder auf Ihre Beziehung zueinander konzentrieren und dass alle Beiträge gleichwertig sind; das ist eine gute Anordnung für ein Brainstorming oder andere kreative Prozesse. Im Halbkreis sitzend sind die Teilnehmer ebenfalls gleichgestellt, Ihre Aufmerksamkeit fokussiert sich jedoch auf das, was an der offenen Seite geschieht. Diese räumliche Anordnung richtet die Teilnehmer auf ein gemeinsames Ziel hin aus und sie können zusammenarbeiten. In den Fokus rückt das Ziel und der einzelne teilnehmer etwas in den Hintergrund. Diese Sitzordnungen werden zweckentsprechen oft genutzt.

 

Sitzen sich die Parteien hingegen Auge in Auge gegenüber, mit Tischen und Unterlagen als Barrikaden zwischen sich, entsteht eine Schützengraben-Stellung die dafür sorgen kann, dass die Beteiligten nur Ihre eigene Position verteidigen und für eine gemeinsame Lösung selten aufgeschlossen sind. Hier schalten die Parteien schneller in den Kampfmodus als auf Kooperation. Und doch findet sich diese Sitzordnung in jedem Gericht, selbst in der Güteverhandlung, wo versucht wird, den Streit einvernehmlich beizulegen. Könnte es nicht hilfreich sein, die Schützengräben zu verlasen, sich zueinanderzusetzen mit dem Blick in eine gemeinsame Richtung und auf ein gemeinsames Ziel; dem Vergleich? Ein kleiner aber wirksamer Schritt, um die verhärteten Fronten aufzubrechen und um etwas mehr zusammen zu arbeiten als gegeneinander. Leider ist der Gerichtsalltag noch nicht so weit.

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