Manchmal bleibt etwas zurück...

Ängste nach einem Verkehrsunfall überwinden


Manchmal bleibt etwas zurück ...

"Ein Verkehrsunfall ist zwar ärgerlich, aber nichts, was mich besonders belasten müßte." So ungefähr dachte eine Klientin, die kürzlich einen Autounfall erlitten hatte: Eine Frau mittleren Alters war ihr aus Unachtsamkeit hinten aufgefahren. Ihr Auto ist nun schon längst  repariert, Ihr Rechtsanwalt hat sich für sie erfolgreich um Nutzungsausfall, Schmerzensgeld für ein leichtes Schleudertrauma und all die anderen Dinge gekümmert, die es nach einem Unfall zu regeln gilt. Es ist also alles bezahlt - und trotzdem blieb noch etwas zurück.


Unsicherheit im Straßenverkehr

Seit dem Unfall verspürt sie nämlich im Straßenverkehr zeitweise eine  Unsicherheit, die sie bisher nicht kannte und die sie sich nicht richtig erklären kann. Einerseits dann, wenn sie morgens auf dem Weg zur Arbeit am Unfallort vorbei kommt. Das kann sie  noch nachvollziehen. Andererseits taucht die Unsicherheit auch bei vollkommen anders gelagerten Situationen auf. Das verunsichert sie weiter.

 

Im Coaching konnten wir als Auslöser der Unsicherheit ganz konkrete Bilder herausarbeiten: Neben dem Anblick des Unfallortes war es insbesondere der Anblick im Rückspiegel hinter ihr fahrender  Frauen mittleren Alters! Nachdem wir diesen Trigger identifiziert hatten, konnten wir dann dieses Stress auslösende Bild bearbeiten, so dass sie jetzt wieder viel entspannter Auto fahren kann.

Bilder im Kopf beeinflussen unser Verhalten

Spannend fand ich die Tatsache, dass die Unsicherheit durch ein sehr spezifisches Bild ausgelöst wurde: Es war nicht der Straßenverkehr an sich, der nach dem Unfall Stress erzeugte. Das war o.k.. Es waren auch nicht die Autos hinter ihr, die erzeugten auch keinen Stress. Ebenfalls stressfrei war der Anblick jüngerer Frauen im Rückspiegel und das Bild junger oder ältere Männer. Nur die "älteren Frauen im Rückspiegel" erzeugten die Unsicherheit, auch wenn sie dieses Bild gar nicht bewußt wahrgenommen hat.


Ängste sind auch Lernerfahrungen

Für mich kann ich festhalten, dass das menschliche Gehirn offenbar in der Lage ist, in Sekundenbruchteilen etwas zu lernen und dass es sich oft unserer Kontrolle entzieht, wann genau wir etwas lernen - z.B. bei einem Verkehrsunfall - und was genau wir dabei lernen. Im Fall meiner Klientin ginge die subjektive Lernerfahrung in die Richtung einer Aussage wie  "Ältere Frauen im Rückspiegel bedeuten Gefahr!"  Das Gehirn scheint dabei jedenfalls keine Rücksicht zu nehmen auf gendergerechte oder politisch korrekte Lernerfahrungen.

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