Ziele erreichen mit "WOOP"

Wie man seine Ziele erreicht

Aufmerksam geworden durch einen Artikel in der Zeit (hier der Artikel in ZeitOnline) habe ich mir das Buch „Die Psychologie des Gelingens“ von Gabriele Oettingen gekauft und gelesen. Frau Oettingen ist Professorin für Psychologie an der New York University und an der Universität Hamburg und erforschte seit vielen Jahren,  wie sich insbesondere positives Denken darauf auswirkt, wie gut Menschen ihre Ziele erreichen. Auf Grundlage ihrer Forschungen entwickelte sie die „WOOP“-Methode. Die Quintessenz des Buches könnte so zusammengefaßt werden:

  1. Positives Denken = besser nicht ☹️
  2. Positives Denken + Hindernisse = schon besser 😐
  3. Positives Denken + Hindernisse + Plan = gut 🙂
  4. WOOP = empfehlenswert 😊

1. Positives Denken = besser nicht

Positives Denken beschreibt Frau Prof. Oettingen als Schwelgen in positiven Zielvorstellungen, indem man sich sinnespezifisch ganz intensiv und farbenprächtig ausmalt, wie es sein wird, wenn das Ziel erreicht ist und die guten Gefühle dabei genießt. Dieses positive Denken allein sorge nach ihren Untersuchungen zwar für kurzfristiges Wohlbefinden, doch wirke es ich bei vielen Menschen negativ auf deren körperliche Leistungsfähigkeit aus: Unter anderem sinke der Blutdruck und der Körper entspannt sich; klingt eigentlich ja gut, allerdings stehe anschließend nur wenig Energie dafür zur Verfügung, das gesetzte Ziel zu verfolgen. Denn das Gehirn glaubt sozusagen, dass es das Ziel ja schon erreicht habe - hier kommt mir das Motto „Denken ist vorweggenommenes Handeln“ in den Sinn - und dass deswegen nicht mehr soviel Energie dafür eingesetzt werden muss. Die Probanden aus ihren Versuchsgruppen, die positives Denken angewandt hatten, erreichten die gesetztem Ziele tendenziell wesentlich schlechter. Diese Methode erwies sich interessanterweise also als  kontraproduktiv, wenn man seine Chancen erhöhen will, sein Ziel zu erreichen.

2. Positives Denken + Hindernisse = schon besser

Wesentlich effektiver sei nach ihren Untersuchungen das mentale Kontrastieren. Dabei schwelgt man zunächst in den schönen Zielvorstellungen des positiven Denkens und versetzt sich mental in die Situation des erreichten Zieles. Anschließend vergegenwärtigt man sich die Hindernisse, die der Zielerreichung im Wege stehen könnten. Dieses Kombination habe bei ihren Versuchsgruppen  dafür gesorgt, dass deutlich mehr Anwender ihre gesetzten Ziele erreichten, als allein mittels positiven Denkens.

3. Positives Denken + Hindernisse + Plan = gut

Noch bessere Ergebnisse hätten die Teilnehmer erzielt, die sich zunächst das Ziel positiv vergegenwärtigten, dann die möglichen Hindernisse mental durchgespielt haben und die sich  dann anschließend einen Plan zurecht gelegt haben, wie sie mit den Hindernissen umgehen werden.

4. WOOP = empfehlenswert

Auf dem Fundament dieser Erkenntnisse hat Frau Prof. Oettingen dann ihre „WOOP“-Methode entwickelt. „WOOP“ steht für 

 

W - Wish (Wunsch)

O - Outcome (Ergebnis)

O - Obstacle  (Hindernis)

P - Plan

 

Zunächst äußert man seinen konkreten Wunsch, also dasjenige, was man erreichen will. Anschließend malt man sich mental so spezifisch wie möglich unter Beteiligung aller Sinne - also mit Bildern, Farben, Tönen und anderen Sinneseindrücken - aus, wie es sein wird, wenn das Ziel erreicht ist (Outcome). Danach imaginiert man auf die gleiche sinnesspezifische Weise die Hindernisse (Obstacle), die einem auf dem Weg zum Ziel begegnen könnte. In Bezug auf diese Hindernisse legt man sich dann einen Plan nach dem Muster 

 

„Wenn Hindernis, dann werde ich konkretes Verhalten, um das Hindernis zu überwinden.“

 

Die Teilnehmer an Ihren Untersuchungen, die sich dieser Methode bedient haben, hätten signifikant die besten Ergebnisse in Bezug auf Ihre Ziele erreicht. zudem hätten Sie auch leichter erkennen können, wenn die Ziele nicht realisierbare seien, um sich dann realistischeren Projekten zuzuwenden. 

 

Meine Meinung

Als Wissenschaftlerin, hat Frau Prof. Oettingen natürlich genügend Studien angefertigt, um eine belastbare Datenbasis zu haben. Und diese Studien hat sie in ihrem Buch konsequenterweise ausführlich geschildert. Da sich diese Untersuchungen im Kern ziemlich ähneln und immer in Teilen abgewandelt worden sind, um verschiedene Varianten auszutesten, haben sich diese Schilderungen beim Lesen auf mich nach einer Zeit etwas ermüdend ausgewirkt. Insgesamt ist das Buch gleichwohl gut und spannend geschrieben. Es hat mich dazu gebracht, wieder einmal darüber nachzudenken, wie ich selbst es angehe, wenn ich mir Ziele stecke.

 

Im Kern bietet das Buch meiner Meinung nach nicht wesentlich Neues. Denn zum Beispiel im NLP gibt es seit Jahren schon Methoden der Zielfindung und der Zieldefinition, die neben dem reinen Wunschziel auch Hindernisse und Auswirkungen berücksichtigen. Das NLP stellt hierfür die Disney-Strategie mit den Positionen des Visionärs, des Realisten und des Kritikers zur Verfügung oder auch die Leitlinien für wohlgeformte Ziele. Nichtsdestoweniger ist der "WOOP"-Ansatz sehr griffig und bleibt gut im Gedächtnis hängen. "WOOP" ist auch leicht erlernbar und auch für sich allein gut umsetzbar.

 

Ein Punkt hat mich als Coach allerdings bei der Lektüre gestört. Es ist auch nur ein einziger Satz. Er lautet, dass die Wirksamkeit von Coaching wissenschaftlich nicht erwiesen sei. Frau Prof. Oettingen erläutert leider nicht, was genau sie mit „Coaching“ meint. Zum fachgerechten Coaching gehört es schon immer, mit seinem Klienten ganz genau auszuarbeiten, welches Ziel erreicht werden soll, was ihm dabei im Wege steht oder in die Quere kommen könnte und wie er mit diesen Hindernissen umgehen kann. Letztendlich ist die WOOP-Methode daher auch ein Coaching-Tool und damit hat Frau Prof. Oettingen nun dankenswerter Weise auch die Wirksamkeit von Coaching wissenschaftlich bestätigt.

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