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Arbeit oder Leben?


"Work-Life-Balance", ein seltsamer Begriff. "Arbeit" scheint ein Gegenpol zu "Leben" zu sein. Ist die Arbeit nicht ein wertvoller Teil des des Lebens? Ich lasse ja mein Leben nicht zu Hause, wenn ich zur Arbeit gehe, sondern ich bringe mein Leben (meine Persönlichkeit, meine Erfahrungen, meine Werte, meine Stimmung) mit an den Arbeitsplatz. Müsste das dann nicht besser "Life-Balance" heißen? Wortklauberei - oder steckt da noch was anderes dahinter?

 

Ich denke, es sind zwei unterschiedliche Haltungen, wie ich zur Arbeit stehe: Bei "Work-Life-Balance" scheint das Leben von der Arbeit getrennt zu sein, so nach dem Motto, jetzt arbeite ich tüchtig und schaffe Geld ran, gelebt wird dann später - nach Feierabend, in der Rente oder wann auch immer. Die Entbehrungen der Arbeit sind dann das notwendige Gegengewicht zu den Freuden des an anderer Stelle stattfindenden Lebens. Was ich auf der einen Seite bekomme, muss ich auf der anderen Seite irgendwie ausgleichen, damit die Waage wieder ins Gleichgewicht kommt. Nach einer anderen Sicht könnte die Arbeit als ein Teil des Lebens akzeptiert und gleichwertig neben die anderen Teile gestellt werden, die ebenfalls aktiv sind. Alle sind wichtig und es gibt ein Bewusstsein für die Antworten auf bestimmte Fragen, so dass ein Ungleichgewicht erst gar nicht entsteht.

 

Es könnten diese Fragen sein:

  1. Was sind meine beruflichen Ziele (Arbeit, Selbständigkeit, Aufstieg, Gehalt, Wechsel, ...)?
  2. Was sind meine privaten Ziele (Familie, Kinder, Freizeit, Reisen, Abenteuer, ...)?
  3. Was sind meine Ziele für den Geist (Sprachen lernen oder ein Instrument, sich weiterbilden, ...)?
  4. Was sind meine für das Herz (Liebe, Lust, Partnerschaft, Aufregung, ...)?
  5. Was sind meine spirituellen Ziele (Glauben, Sinn, ...)?
  6. Welche meiner Werte kommen durch diese Ziele zum Ausdruck?
  7. Was will ich erreichen, das größer ist als das benannte Ziel? Wozu will ich das?
  8. Welche Gewichtung will ich diesen unterschiedlichen Aspekten ganz bewußt geben?
  9. Wann und wie entscheide ich mich ganz bewußt dafür, mal den einen, mal den anderen Aspekt in den Fokus zu nehmen, ohne die anderen Teile auf Dauer zu vernachlässigen?
  10. Nehme ich mir regelmäßig Zeit, über meine Ziele im Leben und wie ich diese verwirkliche zu reflektieren?

Kennen Sie Ihre Antworten auf diese Fragen?