Logbuch: Recht


Coaching und die Kunst des Kartenlegens

Der BGH hatte über folgenden Fall zu entscheiden: Die Parteien streiten um die Zahlung einer Vergütung für Lebensberatung in Verbindung mit Kartenlegen. Die Klägerin ist als Selbstständige tätig und bietet Lebensberatung („Life-Coaching“) insbesondere durch Kartenlegen an. In einer durch Beziehungsprobleme ausgelösten Lebenskrise stieß der Beklagte im September 2007 im Internet auf die Klägerin. In der Folgezeit legte die Klägerin dem Beklagten am Telefon in vielen Fällen zu verschiedenen – privaten und beruflichen – Lebensfragen die Karten und erteilte Ratschläge. Hierfür zahlte der Beklagte im Jahr 2008 mehr als 35 000 Euro. Für im Januar 2009 erbrachte Leistungen verlangt die Klage mit ihrer Klage Zahlung von 6723,50 €.

 

Dazu hat der BGH gemeint, dass die Vertragsparteien durchaus frei darin sind einen Vertrag über metaphysische Leistungen zu erbringen, deren Grundlagen und Wirkungen nach den Erkenntnissen der Wissenschaft und Technik nicht nachzuweisen sind, sondern die nur einer inneren Überzeugung, irrationalen Glauben oder einer inneren Haltung entsprechen. Das sei kein sittenwidriges und damit unwirksames Geschäft. Der Vertrag an sich ist damit wirksam.

 

Allerdings  muss der Beklagte die restlichen 6723,50 €  nicht bezahlen, weil die Leistung des „Coaches“  objektiv unmöglich sei. Eine Leistung sei objektiv unmöglich und könne deshalb nicht verlangt oder gar erzwungen werden, wenn sie nach den Naturgesetzen oder nach dem Stand der Erkenntnis von Wissenschaft und Technik schlechthin nicht erbracht werden könne. Das sei beim Versprechen des Einsatzes übernatürlicher, „magischer“ oder parapsychologischer Kräfte und Fähigkeiten der Fall.

 

Für 35.000 € (!) hätte der Beklagte sich bei einem professionellen und seriösen Anbieter sicherlich quasi jahrelang coachen lassen können.   Ich weiß nicht, was die Klägerin dem Beklagten versprochen hat, für mich ist jedoch klar, dass die angewandten Methoden eines Anbieters von seinen Kunden stets kritisch hinterfragt werden müssen.

0 Kommentare

Psychogeographie beim Zivilgericht

Die Psychogeographie ist eine interessante Sache. Sie beruht auf der Annahme, dass sich die räumlichen Beziehungen zwischen Menschen und deren räumliche Orientierung zueinander auf ihren Kommunikationsprozeß auswirkt. Bekannteste Beispiele sind die Sitzordnung im Kreis oder im Halbkreis.

 

Die kreisförmige Anordnung führt dazu, dass sich die Gruppenmitglieder auf Ihre Beziehung zueinander konzentrieren und dass alle Beiträge gleichwertig sind; das ist eine gute Anordnung für ein Brainstorming oder andere kreative Prozesse. Im Halbkreis sitzend sind die Teilnehmer ebenfalls gleichgestellt, Ihre Aufmerksamkeit fokussiert sich jedoch auf das, was an der offenen Seite geschieht. Diese räumliche Anordnung richtet die Teilnehmer auf ein gemeinsames Ziel hin aus und sie können zusammenarbeiten. In den Fokus rückt das Ziel und der einzelne teilnehmer etwas in den Hintergrund. Diese Sitzordnungen werden zweckentsprechen oft genutzt.

 

Sitzen sich die Parteien hingegen Auge in Auge gegenüber, mit Tischen und Unterlagen als Barrikaden zwischen sich, entsteht eine Schützengraben-Stellung die dafür sorgen kann, dass die Beteiligten nur Ihre eigene Position verteidigen und für eine gemeinsame Lösung selten aufgeschlossen sind. Hier schalten die Parteien schneller in den Kampfmodus als auf Kooperation. Und doch findet sich diese Sitzordnung in jedem Gericht, selbst in der Güteverhandlung, wo versucht wird, den Streit einvernehmlich beizulegen. Könnte es nicht hilfreich sein, die Schützengräben zu verlasen, sich zueinanderzusetzen mit dem Blick in eine gemeinsame Richtung und auf ein gemeinsames Ziel; dem Vergleich? Ein kleiner aber wirksamer Schritt, um die verhärteten Fronten aufzubrechen und um etwas mehr zusammen zu arbeiten als gegeneinander. Leider ist der Gerichtsalltag noch nicht so weit.

0 Kommentare